Steirische Newcomerin: "Cambodia"-Sängerin Anna-Sophie im Interview

weekend: Auf Spotify hat dein Cover von "Cambodia" mehr als eine Million Klicks, im Oktober war der Song das erste Mal auf Platz 1 der Ö3 Austria Charts und hält sich seitdem hartnäckig in den Charts. Wie kam es denn dazu, dass du den 80ies Hit von Kim Wilde neu aufgenommen hast?

Anna-Sophie: Das war eigentlich ganz lustig, weil ich hab Kim Wilde an sich schon gekannt, nur dieses Lied nicht. Mein Manager hat dann die Idee gehabt. Er kommt aus dieser Zeit und hat eine persönliche Verbindung mit dem Song und meinte, dass meine Stimme am besten dafür geeignet wäre. Und ich bin halt auch ein großer Fan von Dua Lipa, die ja auch diesen 80ies Vibe hat. Zuerst war ich ein bisschen skeptisch, weil es eigentlich einen ernsten Inhalt hat, es geht ja um den Vietnamkrieg, aber wir haben dann versucht, dem Lied einen heutigen Zeitgeist einzuhauchen. Und anscheinend auch geschafft.

weekend: Durchaus, die Leute hören es ja auf und ab.

Anna-Sophie: Ja, ich muss gestehen, dass ich es schon länger nicht mehr selbst gehört hab.

weekend: Und warum?

Anna-Sophie: Zu Weihnachten war ich bei meinen Eltern in der Südsteiermark und sie hatten den Tick, immer den Antenne-Hitalarm eingeschalten zu haben. Bad Habits, also mein erster Song, und Cambodia laufen so ungefähr fünf Mal am Tag und irgendwann hat es mir dann auch gereicht (lacht). Ich freu mich extrem, wenn's im Radio läuft und wenn ich das hör, aber wenn man selbst die Sängerin ist, wird es manchmal auch zu viel.

weekend: Verständlich ja. Vorher hast du ja Dua Lipa erwähnt. Hast du eigentlich musikalische Vorbilder?

Anna-Sophie: Ja, schon. Vom Gesangs- und Produktionsstil ist eben Dua Lipa derzeit meine Nummer eins. Ich steh extrem auf diese 80ies Effekte, die sie eben verwendet. Da hab ich Glück, weil mein Produzent auch gerne in diese Richtung geht, wie man bei Cambodia hören kann. Vom Songwriting her höre ich selbst gerne Balladen, zum Beispiel von Julia Michaels. Mein übernächstes Lied wird auch in diese Richtung gehen, also mal etwas ruhiger.

weekend: Deinen ersten Song "Bad Habits" und den im November erschienen Song "Down" hast du selbst geschrieben. Was willst du denn damit aussagen?

Anna-Sophie: Also Down hab ich mitten im zweiten Lockdown geschrieben, da war ich selbst nicht gerade gut gelaunt wegen Corona. Dann hab ich mir gedacht, dass sich das nix bringt, wenn ich mich jeden Tag über die Situation aufreg. Deswegen hab ich versucht, ein Lied zu schreiben, das so stressfrei wie möglich ist. Ich wollte einen Song schreiben, zu dem die Leute tanzen können und über nichts Ernstes nachdenken müssen.

Ich hab auch schon gehört, dass meine Songs in den USA gespielt werden. - Anna-Sophie, Musikerin

weekend: Apropos tanzen: Cambodia wäre 2020 sicher auf einigen Tanzflächen gespielt worden. Wie geht es dir mit der Situation, dass dies nicht möglich war?

Anna-Sophie: Ich hab mir das oft gedacht. Einerseits ist es ein Fluch, 2020 einen Hit zu landen, andererseits ein Segen, weil der Song sehr viel Radiopräsenz bekam. Ich hoffe einfach, dass der Song die Menschen länger erfreut und es dieses Jahr funktioniert. Von Down kommt auch bald ein Remix von einem sehr coolen DJ.

weekend: Und wie ist es generell als junge Künstlerin, seinen Durchbruch während einer Pandemie zu erleben? Bad Habits wurde ja mitten im ersten Lockdown veröffentlicht, seitdem war da nicht viel Spielraum.

Anna-Sophie: Ich hab es zuerst gar nicht so mitbekommen, weil ich nie dachte, dass ich so schnell Reichweite erlange. Bad Habits haben wir Mitte April veröffentlicht, drei Tage später wurde es schon auf Ö3 gespielt. Dadurch, dass alle Feste abgesagt wurden, kann ich ja nicht mal sagen, wie viele Live-Auftritte mir durch die Lappen gingen, aber es sind sicher einige. Im Juli und August war ich ein paar Mal beim ORF für Interviews, wegen den Regeln durfte ich aber nie singen. Im August, als sich die Lage etwas beruhigt hat, hatte ich mal einen Auftritt beim Kurier. Das war der erste und dan für eine lange Zeit der letzte Auftritt. Vor kurzem durfte ich dann beim ORF Jahresrückblick singen. Aber ich bekomme extrem positive Rückmeldungen auf Social Media und es freut mich, dass die Leute nicht nur meine Musik, sondern auch meine Art mögen.

weekend: Derzeit studierst du Wirtschaft in der Schweiz, genauer gesagt in St. Gallen. Ist es trotzdem dein Ziel, von der Musik leben zu können?

Anna-Sophie: Das hat mich schon einmal ein Journalist gefragt und es war komisch, weil ich nie darüber nachgedacht habe. Müsste ich mich zwischen Musik und Wirtschaft entscheiden, würde ich Musik nehmen. Ich würde aber auch nicht mit der Musik aufhören, wenn ich nicht davon leben könnte. Ich steige also bei beidem gut aus, weil mich beides interessiert. Aber Musik ist natürlich ein Traum. Wenn mir jetzt jemand sagt, dass ich in zehn Jahren davon leben kann, denke ich mir super, ich hab alles erreicht, was ich will (lacht).

weekend: Und was sind deine Zukunftspläne?

Anna-Sophie: 2021 werden wir eine EP releasen. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, mit diesen Songs Reichweite zu erlangen. Ich mach schon sehr internationale Musik, es wäre also schön, wenn es auch in anderen Ländern gespielt wird. Was es sogar schon teilweise wird. Nämlich in den USA und anderen europäischen Ländern. Aber ich würde gerne über die österreichischen Grenzen hinaus etwas erreichen. Bald wird ein Duett mit einem anderen Sänger zu hören sein. Ich bin auf jeden Fall für jeden Hörer und jeden, der sich meine Songs im Radio wünscht, dankbar. Das ist bis jetzt mehr, als ich mir erträumt habe.

Und für jeden, der "Cambodia" nicht kennt, gibt es hier noch einmal den Song samt Musikvideo:

Autor: Cornelia Scheucher, 12.01.2021