Traumberuf: Astronaut

Wer Interesse am wohl höchstgelegenen Arbeitsplatz der Welt hat – und auch eine Anreise per Rakete nicht scheut, sollte schon mal seine Bewerbungsunterlagen vorbereiten: Denn ab 31. März können sich Interessenten acht Wochen lang bei der ESA als Nachwuchs-Astronauten bewerben. Und die beste Nachricht: Die Kriterien sind nicht so knallhart wie man meinen möchte.

Die Basiskriterien

Die Bewerber müssen zunächst fließend Englisch und eine weitere Fremdsprache sprechen. Zudem benötigen sie eine Bescheinigung eines Flugmediziners, dass sie ausreichend fit sind – ein Pilotenschein ist aber nicht nötig. Außerdem müssen sie einen Masterabschluss in Naturwissenschaften, Medizin, Informatik oder Ingenieurwissenschaften und mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. Ein umfangreicher Fragebogen muss zudem ausgefüllt und ein Motivationsschreiben verfasst werden.

Chance ergreifen

Aexander Gerst, der selbst schon zweimal als Astronaut im All war, bekräftigt, dass jeder diese Chance nutzen sollte: „Viele bewerben sich nicht, weil sie glauben, dass sie keine Chance haben. Aber jeder, der diesen Traum hat, ist es sich selbst schuldig, diesen auch zu verfolgen. Wir sind keine Supermänner oder Superfrauen, sondern ganz normale Menschen.“ Das sieht auch Samantha Cristoforetti so, aktuell die einzige aktive weibliche Astronautin der ESA: „Von den körperlichen Anforderungen her ist der Job auch für Frauen möglich, denn dies ist nur einer von vielen Aspekten, nebenz. B. wissenschaftlicher Arbeit, technischem Know-how oder einem hohen Maß an Sozialkompetenz.“

Abseits der Stereotype

Die ESA hofft, diesmal vermehrt Frauen ansprechen zu können – und auch beim Alter gibt es gute Nachrichten: Sollten die Kandidaten bei der letzten Bewerbungsrunde vor elf Jahren idealerweise zwischen 27 und 37 Jahre alt sein, können sich nun Personen bis zum 50. Lebensjahr bewerben – damit es möglich ist, mindestens zwei Missionen zu absolvieren, bevor man das vertragliche Pensionsalter erreicht wird. „Je diverser ein Team ist, desto besser kann es mit Herausforderungen umgehen. Deshalb wollen wir bewusst möglichst unterschiedliche Menschen ansprechen“, so Dagmar Boos, Leiterin des Zentrums für Personalkompetenz und -politik bei der ESA. Von einer Frauenquote hält die ESA allerdings nichts – einzig die Kompetenzen zählen.

Der Auswahlprozess

Wer den Schritt durch die Bewerbungsphase geschafft hat, für den geht es dann in ein sechsstufiges Auswahlverfahren, das im Oktober 2022 abgeschlossen sein soll. Die Kriterien sind dabei im Wesentlichen gleich geblieben. „Die formellen Qualifikationen haben viele, hier geht es darum, was für ein Mensch man ist – und das kann man selbst oft schwer beurteilen“, verrät Samantha Cristoforetti. Die gute Nachricht: Insgesamt sucht die ESA diesmal nicht nur vier bis sechs sogenannte Karriere-Astronauten, die für die Weltraummissionen eingesetzt werden. Außerdem werden auch bis zu 20 Astronauten als Reserve gesucht. Für diesen Reservepool ist die ESA auch explizit auf der Suche nach einem Astronauten mit einem bestimmten Grad an körperlicher Behinderung. Die ESA will untersuchen, unter welchen Umständen „Parastronauten“ zur Internationalen Raumstation ISS fliegen können. Letztes Mal gab es übrigens 8.400 Bewerber – diesmal dürfte die Zahl wohl noch um einiges höher liegen. Also am besten schnell hier bewerben!

TIPP: Lesen Sie hier im Exklusiv-Interview mit ESA-Astronaut Alexander Gerst Spannendes zu Ausbildung!

Autor: Alexandra Nagiller, 22.02.2021