IHR Auftritt, bitte!

Coaching. Frauen werden Präsidentinnen, Ministerinnen oder Professorinnen. Aber auf den Bühnen dieser Welt sind sie noch immer unterrepräsentiert – laut der Datenbank „50 Prozent“ ist nur jeder vierte Sprecher auf Kongressen oder Podien eine Frau. Das zu ändern, hat sich ­Claudia Novak mit ihrem neu gegründeten Coaching-Unternehmen WOMEN ON STAGE! vorgenommen. Als Kuratorin und Speaker Coach hat sie u. a. für das internationale Vortragsformat TEDx gearbeitet.

CHEFINFO: Brauchen Frauen Hilfe beim Weg auf die Bühne?

Claudia Novak: Wir Frauen haben noch Aufholbedarf beim aktiven Selbstermächtigen. Männer haben seit jeher mit einer gewissen Selbstverständlichkeit bei Veranstaltungen eine Rede geschwungen und ihre Meinung öffentlich vertreten. Frauen fehlt oft genau diese Selbstverständlichkeit, öffentlich Raum einzunehmen, um die eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen oder die eigenen Kompetenzen zu zeigen. Es wurde uns sehr lange vermittelt, dass unsere Stimme öffentlich nicht so von Bedeutung ist. Das sind kulturelle Codes und soziale Normen, die wir nicht so einfach abschütteln können.

CHEFINFO: Wie kann man sich von diesen inneren Konditionierungen befreien?

Novak: Es ist nicht einfach eine Frage der Rhetorik, das ist ein Werkzeug wie jedes andere, das man durch Übung erlernen kann. Wir brauchen einen inneren Transformationsprozess. Sehr oft geht es darum, den Druck loszuwerden, perfekt sein zu müssen. Ich habe in meiner Arbeit immer wieder beobachtet, dass bei Frauen dieses „noch nicht“ sehr präsent ist. „Ich muss noch diesen MBA machen, diese Bücher lesen und dann noch zum Friseur – erst dann bin ich gut genug, um mit meiner Meinung ­hinauszugehen.“ Aber das ist ein Trugschluss, denn wirklich perfekt werden wir nie sein. Wir müssen uns von dieser inneren Kritikerin befreien, die uns laut vor Bühnenauftritten warnt, weil sie meint, dass wir noch nicht gut genug sind.

Zitat Claudia Novak

CHEFINFO: Und wie kann man konkret diese Hürden überwinden?

Novak: Da gibt es zwei Ebenen. Die eine ist, Werkzeuge an der Hand zu haben, die rhetorische Sicherheit geben. Aber wenn es um das Sichüberwinden geht, dann hat jede ihre ganz individuellen Trigger – und da ist es sehr wichtig, auf die individuelle Geschichte einzugehen. Mein Schlagwort ist „Speaking is a journey“ – für mich beginnt diese Reise bei einem selbst und der eigenen ­Geschichte. Wir haben alle unsere eigenen inneren Blockaden oder Hindernisse, die uns zurückhalten. Die gilt es zu identifizieren – aber auch das, was uns antreibt und motiviert. Denn das sind die Kraftkammern, auf die man sich rückbesinnen kann, wenn man sich verunsichert oder exponiert fühlt. Ein ganz wesentlicher Faktor, den ich bei TED Talks gelernt habe, ist, dass wir uns als Mensch zeigen. Also weg von der perfekten Präsenta­tion hin zu einer authentischen Interaktion: Anstatt Weisheiten von der Kanzel zu predigen, teilen wir unsere Geschichten und Erfahrungen und gehen so in einen Austausch mit den Zuhörern.

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Als Inspiration für angehende Speakerinnen empfiehlt Claudia Novak die drei unten stehenden TED Talks:

„Your body language may shape who you are“ von Amy Cuddy - wie wir unseren Körper für innerliche Größe nutzen

„Die Macht der Verletzlichkeit“ von Brené Brown - über Verletzlichkeit als Essenz für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen

„The power of introverts“ von Susan Cain - auch introvertierte, zurückhaltende Menschen können auf den Bühnen der Welt erfolgreich Raum einnehmen

Autor: Cordula Meindl, 12.01.2021