AMS Tirol Chef Alfred Lercher im Interview

Seit 1. Dezember 2020 sind Sie im Amt – und mit einer Rekordarbeitslosigkeit konfrontiert. Ihre aktuellen Maßnahmen?

Schulen, schulen und nochmal schulen. Das mag auf den ersten Blick zu einfach klingen, die Realität ist aber, dass Menschen ohne Ausbildung immer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind, als jene mit Fachausbildung. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Ausbildung auf max. Pflichtschulniveau in die Arbeitslosigkeit zu schlittern, liegt in Tirol aktuell bei 26,1 Prozent. Mit einem Lehrabschluss ist diese Gefahr bereits um 15 Prozent geringer.

Was sind bis dato Ihre Lehren aus der Krise?      

Das Jahr 2019 war von annähernder Vollbeschäftigung gekennzeichnet, mit der Corona-Pandemie ist das komplett gekippt. Tirol ist ein Tourismusland und die Lockdowns sowie Einreisebeschränkungen unserer Nachbarländer haben sich auf den Tourismus und die tourismusnahen Dienstleistungen enorm ausgewirkt. Dort wo alle vom Tourismus leben und nur ein geringer Branchenmix vorliegt, wird es aktuell eng. Und in Tirol kriegen das speziell die Frauen zu spüren. Das ist ein wichtiger Hinweis an die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik der Zukunft: Fremdenverkehr allein genügt nicht, wir brauchen einen guten Branchenmix mit nachhaltigen regionalen Strukturen und Fachkräften.

Wie schaut es aktuell in puncto Fachkräftemangel aus?     

Fachkräftemangel war und ist ein wichtiges Thema bei uns in Tirol und gleichzeitig die Chance für die Zukunft. Fachkräfte wurden vor Corona gesucht und dieser Mangel ist auch während und nach der Krise noch da. Mit unserer neuen Bildungsoffensive im Rahmen der Corona Joboffensive gehen wir genau in diese Richtung: Weiterbildung, Umschulung und Kompetenzerweiterung. Dafür investieren wir heuer zusätzlich 27,88 Mio. Euro. Alle die sich dafür interessieren finden Details unter www.ams.at/jetztweiterbilden.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie 2021?        

Der Ausblick für das Jahr 2021 ist aufgrund der Entwicklungen beim Corona-Impfstoff vorsichtig positiv. Wir rechnen mit einer Trendumkehr 2021/2022. Das Niveau vor der Krise werden wir zwar erst in fünf bis sechs Jahren wieder erreichen können, einige Branchen werden sich nach der Krise aber recht schnell wieder erholen.

Das AMS Tirol ist auf jeden Fall aktuell auch sehr gefordert.            

Die Pandemie hat uns 2020 vor große Herausforderungen gestellt, besonders bei der Beratung- und Betreuung von arbeitsuchenden Menschen. Wie hält man Kontakt während eines Lockdowns? Wie nimmt man Ängste vor der Zukunft und motiviert gleichzeitig zur Weiterbildung, wenn man sich nicht persönlich begegnen kann? Da haben wir viel dazugelernt, z.B. bei Onlineberatungen und strukturierten Telefonberatungen. Sehr bewährt hat sich unser eAMS-Konto, der direkte Draht zum eigenen AMS-Berater. Wer das noch nicht hat, bitte Zugangsdaten anfordern! So sind Sie immer gut informiert – besonders jetzt, wenn Sie an der Joboffensive Tirol teilnehmen möchten.

Autor: Alexandra Nagiller, 09.02.2021